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Robert Fitts

Die Kirche im Haus

Eine Rückkehr zur Einfachheit

 

Kapitel 6: Was ist eine Hauskirche?

Die im Folgenden aufgelisteten Merkmale einer Hauskirche sind die, welche die Kirche in den ersten 50 Jahren ihrer Geschichte hatte. Als die Kirche die Einfachheit verließ, verlor sie auch einen Großteil ihrer Kraft und Flexibilität, um die Völker zu evangelisieren und zu Jüngern zu machen. Diese Merkmale findet man auch bei den meisten Hauskirchen, die heute weltweit aus dem Boden schießen.

Eine Hauskirche ist eine einfache Kirche

Kein Schnickschnack, keine Zeremonien, keine Rituale, kein Symbolismus. Es ist einfach eine Zeit, in der das Volk Gottes mit Jesus in seiner Mitte zusammenkommt. Sie reden, singen, beten und essen zusammen. Sie taufen Neubekehrte, nehmen gemeinsam das Abendmahl ein und studieren miteinander die Bibel. Sie tauschen sich darüber aus, was Gott in ihrem Leben tut. Sie beten für Menschen und für alle möglichen Nöte auf der Welt. Sie dienen einander mit den Gaben, die Gott einem jeden gegeben hat. Sie lieben einander und wollen einander ermutigen und in ihrem Glauben unterstützen.

Eine Hauskirche trifft sich in einem Haus

Das Zuhause ist ein unkomplizierter Ort, um Kirche zu veranstalten. Es gibt keine geheimnisvollen Symbole, die man erklären muss. Es ist kein religiöses Umfeld, und keiner fühlt sich dabei unwohl, etwas Unreligiöses zu tun. Die Leute fühlen sich wie zu Hause und entspannen sich einfach. In dem Moment, wo die ersten zwei oder drei Leute ankommen, beginnt die Kirche, da Kirche Menschen ist und kein Programm. Wo sich wiedergeborene Gläubige versammeln, dort ist eine Kirche. Sie sind die versammelte Kirche. Wenn sie auseinander gehen, sind sie die verstreute Kirche. Sie kommen zusammen, um gestärkt zu werden. Sie gehen hinaus, um in der Kraft des Heiligen Geistes in der Welt als Salz, Licht und Sauerteig zu wirken. Sie gehen überall hin und verkündigen denen, die Jesus noch nicht kennen, das Evangelium in Wort und Tat. Sie erfüllen den Missionsbefehl, der sagt: Wenn ihr geht, hierhin, dorthin und überallhin, predigt das Evangelium zu jeder Zeit, wo auch immer ihr gerade seid ... jetzt (vgl. Matthäus 10,7; Markus 16,15.20).

Eine Hauskirche ist ein Evangelisationszentrum

Es ist einfacher, eine noch unerrettete Person dazu zu bringen, zu einem Treffen in einem Privathaus zu gehen als zu einem „Heiligtum“. Das ist einer der Gründe dafür, weshalb die Kirche des ersten Jahrhunderts die Welt auf den Kopf stellte.

Eine Hauskirche erleichtert die Jüngerschaft

Es ist gut, an Türen zu klopfen und Menschen zu Jesus zu führen. Es ist gut, sie auf der Straße, in Parks, in großen Stadien, über das Telefon oder in einem Alltagsgespräch zum Herrn zu führen. Wenn wir sie aber an dem Ort zum Herrn führen, wo sie auch Jüngerschaft erfahren werden – eine Kirche in einem Haus –, haben wir einen klaren Vorteil. Sie haben die Kirche dann schon kennen gelernt. Sie können sofort getauft werden und nach und nach von den Menschen, die sie zu Christus geführt haben, zu einem tieferen Leben mit Jesus geführt werden. Die Aufgabe, sie in eine Kirche zu integrieren, ist dann schon erledigt.

Eine Hauskirche steht mit dem gesamten Leib Christi in Beziehung

Der einzige Name, der würdig ist, erhoben zu werden, ist der Name Jesus. Wir müssen uns für unsere Kirche keinen guten Namen ausdenken. Es ist nicht unsere Kirche. Es ist Jesu Kirche. Es ist „die Kirche, die sich in jemandes Haus trifft“. Sie ist Teil der stadtweiten Kirche. Alles, was Jesus gehört, gehört auch seiner Kirche. Alles, was Jesus in unserer Stadt tut, gehört uns. Wir haben alle eine gewisse Verantwortung dafür, auch wenn dies bedeutet, nur dafür zu beten und nichts weiter. Wir sind ein Leib. Wir sind in Einheit hineingeboren und wir pflegen diese Einheit dadurch, dass wir die Heiligen aufnehmen, egal, wo sie wohnen oder welche Gruppe sie besuchen. Wir alle gehören zueinander.

Eine Hauskirche ist beweglich

Wir müssen uns nicht jede Woche im selben Haus treffen. Nicht das Gebäude hält uns zusammen; es sind Beziehungen, die uns zusammenschweißen. Wir sind flexibel. Wir können uns überall treffen. Dadurch setzen wir uns mehr Menschen an mehr Orten aus.

Eine Hauskirche ist klein

Groß ist nicht immer besser. Groß sein ist aber das, was wir wollen. Durch Multiplikation können wir allerdings schneller groß werden als durch Hinzufügen. Eine Hauskirche baut die große, stadtweite Kirche, indem sie sich teilt und multipliziert. Ab und zu werden wir große Treffen haben, aber unsere Basiskirche bleibt klein. Wenn ständig mehr als 20 oder 30 Leute kommen, wird es Zeit, ein Baby zu bekommen.

Eine Hauskirche ist „die Kirche“

Das Neue Testament schreibt über die Kirche auf vier verschiedenen Ebenen: die Kirche in der Welt (Kolosser 1,24), die Kirche in der Region (Apostelgeschichte 9,31), die Kirche in der Stadt (2. Korinther 1,1) und die Kirche im Haus (Kolosser 4,15). Die Kirche im Haus ist ein Mikrokosmos der Kirche in der Stadt, in der Nation und in der Welt. Die Kirche im Haus ist genauso die Kirche wie die Kirche in der Stadt, in der Region oder in der Welt. Sie enthält alle wesentlichen Elemente der Kirche. Das Wort Mikrokosmos bedeutet einfach „kleine Welt“ oder „ein Weltall in Miniaturform“. Die Kirche im Haus ist Kirche im vollsten Sinn des Wortes. So sah der Apostel Paulus seine Arbeit im ersten Jahrhundert. Auf seiner ersten Missionsreise ließ er in vier verschiedenen Städten – Antiochia, Ikonion, Derbe und Lystra – jeweils eine kleine Gruppe von Gläubigen zurück. Jede dieser kleinen Gruppen bezeichnete er als die Kirche in dieser Stadt.

Eine Hauskirche entsprechend der Praxis des Neuen Testaments

Ich sagte nicht Schema des Neuen Testaments, denn Gott gab uns kein Schema, entsprechend dem wir Kirche betreiben sollten. Die wahre neutestamentliche Praxis ist, zu beten, auf Gott zu hören und dem zu gehorchen, was er uns sagt. Falls er zu Ihnen sagt, Sie sollten eine riesige Kathedrale bauen, dann müssen Sie gehorchen und dies tun. Sie werden dann gesegnet sein und der gesamte Leib Christi mit Ihnen. Die dynamische Kraft der ersten Christen war genau das. Sie versuchten nicht, einem „Schema“ zu folgen, über das sie irgendwo gelesen hatten, sondern sie folgten Tag für Tag der Führung des Heiligen Geistes. Der Erfolg stellte sich dann automatisch ein. Auch heute noch sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir es genauso tun. Viele Kirchen haben versucht, die Formel für Wachstum zu finden, die Pastor Cho aus Seoul in Korea fand und mit der er die größte Gemeinde der Welt aufbaute. Pastor Cho verriet diese Formel in sechs einfachen Wörtern: „Ich bete einfach, und ich gehorche.“ Es ist nichts Falsches daran, in einer Scheune, auf einem Feld, in einer Höhle, einem Kirchengebäude oder einer Synagoge zusammenzukommen. Der Herr sieht auf das Herz. Wenn wir aber ein System unterstützen, welches das Leben der Kirche durch eine träge Führung und durch ein lähmendes Kastensystem aus Geistlichen und Laien erstickt, werden wir nicht die Frucht erhalten, die wir uns wünschen.

Hauskirchen sind leichter zu beginnen

Das Gründen von Kirchen ist ein Mittel zur Evangelisation, Jüngerschaft und Mission. In der Gemeindewachstumsbewegung wurde unter Beweis gestellt, dass das Gründen vieler neuer Kirchen die beste Evangelisationsmethode ist. Viele neue Kirchen zu beginnen, ist auch die beste Methode, Menschen zu Jüngern zu machen. Wenn Menschen in kleinen, zwanglosen Gruppen zusammenkommen, findet Jüngerschaft fast ohne bewussten Aufwand statt. Und es ist ja nicht schwer, eine neue Kirche zu beginnen! Man braucht nur zwei oder drei Leute sowie jemand, der jede Woche sein Zuhause für ein kleines Treffen zur Verfügung stellt.

Hauskirchen können schon beginnen, bevor der Kirchengründer kommt

Die Kirchen in Antiochia und Samaria waren schon entstanden, bevor die Apostel kamen. Im zehnten Kapitel der Apostelgeschichte half Kornelius dabei, eine Hauskirche zu beginnen, ohne überhaupt zu wissen, was er tat. Das passiert auch heute in China und vielen anderen Orten. Es schließt die Arbeit der Apostel, Propheten, Evangelisten und Pastoren/Lehrer nicht aus. Wir reden hier davon, Kirchen zu beginnen, und nicht von dem weiteren Erfolg dieser Kirchen. Wir brauchen den Dienst von gesalbten Leitern, die vom Herrn eingesetzt sind, falls diese Kirchen erfolgreich sein sollen.

Das waren einige Merkmale von Hauskirchen. Jede Hauskirche wird ihre eigene Persönlichkeit haben; keine zwei Treffen werden gleich sein. Es ist der Geist Jesu, der uns in allen unseren Zusammenkünften leitet. Er bringt die ganze Begeisterung seiner Gegenwart in jedes Treffen hinein, indem er dazu wen auch immer er will zum Dienen benutzt.