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Robert Fitts
Die Kirche im Haus
Eine Rückkehr zur Einfachheit
Kapitel 3: Weshalb Hauskirchen?
Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter
in Christus Jesus ... und die Gemeinde in ihrem Haus (Römer 16,3-5).
Es grüßen euch die Gemeinden Asiens. Es
grüßen euch vielmals im Herrn Aquila und Priska samt der Gemeinde in ihrem
Hause (1. Korinther 16,19).
Grüßt die Brüder in Laodizea und Nympha
und die Gemeinde in seinem Haus (Kolosser 4,15).
Philemon, dem Geliebten ... und der
Gemeinde, die in deinem Haus ist (Philemon 1-2).
Aus diesen Bibelstellen geht hervor,
dass sich die ersten Christen in Häusern trafen. Sie hatten keine Kirchengebäude.
Vor dem Jahr 232 n. Chr. gab es keine solchen Gebäude. Man nannte sie damals
nicht Hauskirchen; stattdessen sprach
man von der Kirche, die sich im Haus
von jemand traf. Interessanterweise fand die explosivste Phase des Wachstums
der Kirche bis vor kurzem in diesen ersten Jahren statt.
In China gibt es heute allerdings eine
beispiellose Erweckungsbewegung, die das frühe Wachstum der Kirche sogar noch
übertrifft. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Hauskirchenbewegung. Schon
1990 schrieb Loren Cunningham, der Gründer von Jugend mit einer Mission,
in der Ausgabe Januar/Februar der Zeitschrift Ministries:
Nach Angaben des amerikanischen Zentrums
für Weltmission finden jeden Tag mehr als 22.000 Chinesen zu Christus. Das entspricht
sieben Tage Pfingsten alle 24 Stunden und geschieht eben jetzt. Diese Explosion
neuen Glaubens findet hauptsächlich in den ländlichen Ortschaften Chinas statt,
wo 80 Prozent der chinesischen Bevölkerung lebt. Als ich vor kurzem in Hongkong
war, erzählte mir Jonathan Chao, der Gründer des chinesischen
Kirchenforschungszentrums, die chinesische Erweckung werde von jungen Menschen
verbreitet, die meist zwischen 15 und 19 Jahre alt sind. Diese Teenager gehen
in die Dörfer und geben das Evangelium weiter, wo es bisher noch unbekannt war.
Die Neubekehrten werden in Kleingruppen zusammengefasst, und die Teenager rufen
die „Ältesten“ (Gläubige in den Zwanzigern) herbei, um die neuformierte
Hauskirche zu lehren, während die jüngeren Christen weiterziehen, um das
nächste Dorf zu erreichen. Chinesische Pastoren und Lehrer kennen keine
finanziellen Hindernisse, um die christliche Botschaft zu verbreiten; sie
wohnen bei den Kleinbauern in jedem neuen Gebiet und errichten keine Gebäude.
Sie haben sehr wenig und sie brauchen auch sehr wenig. Durch diese einfachen
Methoden verbreitet sich die gute Nachricht sprunghaft über die Felder und
Berge Chinas.
Das explosive Wachstum der Kirche, das
zur Zeit in China stattfindet, und das Wachstum, das die frühe Kirche in der
Apostelgeschichte begleitete, haben eine Gemeinsamkeit: bei beiden handelt es
sich um Hauskirchenbewegungen. Dieselbe Art von Wachstum findet man heute auch
in anderen Ländern, in denen keine Kirchengebäude erlaubt sind.
Das Prinzip ist, einfach ausgedrückt,
dass das Wachstum der Kirche in einer beliebigen Gegend direkt damit
zusammenhängt, wie viele Hindernisse wir dem Gründen neuer Kirchen in den Weg
legen. Aus meiner Erfahrung bei der Gründung und Betreuung von Hauskirchen sehe
ich einige klare Vorteile dieses Ansatzes, Kirchen zu gründen und zu
multiplizieren.
Bedenken Sie die folgenden Punkte:
Um eine Hauskirche zu beginnen,
· müssen Sie weder Land kaufen noch ein Gebäude errichten,
· brauchen Sie weder eine Kanzel noch Kirchenbänke, weder
Gesangbücher noch ein Klavier,
· benötigen Sie kein Taufbecken, keine Sonntagsschule und auch
keinen Jugendpastor,
· müssen Sie weder zu einer Denomination/Konfession gehören noch
ein Verein sein,
· müssen Sie sich weder sonntags noch jede Woche am selben Tag
treffen
· und brauchen keinen Gemeindebrief.
· Sie benötigen kein Schild, auf dem der Name Ihrer Kirche steht,
denn sie braucht keinen Namen.
· Ja, Sie müssen es noch nicht einmal eine Kirche nennen,
solange Sie wissen, dass es sich um „die Kirche, die sein Leib ist“ handelt.
Nichts von dem gerade Erwähnten ist
schlecht oder falsch, aber es ist auch nichts Wesentliches darunter. Beim
Gründen von Kirchen benutzte der Apostel Paulus nichts davon. Wir haben die
Einfachheit des Neuen Testaments verlassen und zu viele Dinge hinzugefügt.
Je mehr Unwesentliches wir hinzufügen, desto schwieriger wird es, eine neue
Kirche zu beginnen.
Ray Williams, ein enger persönlicher
Freund, war über dreißig Jahre lang Missionar in Mexiko und half mit, Dutzende
von Kirchen zu gründen, aus denen heraus wiederum Hunderte neuer Kirchen
gegründet wurden. Vor kurzem erzählte er mir, er habe einmal eine Gemeinde in
einem Weizenfeld begonnen. Diese Gemeinde wuchs und brachte weitere neue
Gemeinden hervor, die alle wiederum eine Vision zur Gründung von neuen
Gemeinden haben. Wir machen es zu kompliziert. Gott ruft uns zur Einfachheit
zurück.
Vor einigen Jahren nahm ich meine Familie
zu einer Kirche mit, deren Pastor ein außergewöhnlicher Bibellehrer war. Wir
mochten diese Kirche und wären gerne weiterhin gekommen, aber die
„Kleiderordnung“ war uns total fremd. Manche Menschen kommen heute nur deshalb
nicht in unsere Kirchen, weil wir einen zu hohen Kleidungsstandard haben und
die Kirche zu einem formellen Ereignis gemacht haben. Viele Menschen,
die keine formelle Kirche besuchen würden, werden eine Hauskirche besuchen, da
sie entspannter ist und in einem normalen Familienumfeld stattfindet.
In seinem Buch Gemeindewachstum
verstehen führt Dr. Donald McGavran Acht Schlüssel zum Gemeindewachstum
in Städten auf. Der erste dieser Schlüssel enthält seine Einschätzung des
Wertes und der Bedeutung der Gründung und Multiplikation von Hauskirchen.
Die acht Schlüssel, die ich erwähnen
werde, sind nicht einfach nur Vermutungen. Sie beschreiben Prinzipien, die
unter Gemeindewachstumsexperten anerkannt sind.
Als Erstes: Betonen Sie Hauskirchen.
Wenn die Kirche in Städten unter Nichtchristen zu wachsen beginnt, muss jede
Gruppe schnell einen Ort für ihre Treffen finden. Die Gruppe sollte sich in der
natürlichsten Umgebung treffen, zu der Nichtchristen problemlos kommen können
und wo die Bekehrten selbst aktiv an den Treffen beteiligt sind. Einen Ort zu
finden, wo man sich treffen kann, sollte die kleine Gruppe finanziell nicht
belasten. Die Hauskirche erfüllt all diese Anforderungen in idealer Weise.
Hauskirchen sollte man immer in Betracht ziehen, ob es nun um die anfängliche
Gründung oder die spätere Erweiterung geht.
Dr. Peter Wagner, der von vielen als
die führende Autorität für Gemeindewachstum angesehen wird, sagte: „Die beste
Methode unter dem Himmel für Evangelisation ist die Gründung von Gemeinden. Es
gab noch nie eine bessere Methode und es wird auch nie eine bessere geben.“
Flächendeckendes Gemeindegründen ist die Vision, die sich weltweit nun viele
Leiter in der Mission zu Eigen machen.
Kirchen, die sich teilen, um sich zu
multiplizieren, werden Zuwachs verzeichnen. Zu oft haben wir versucht, sehr
große Gemeinden zu bauen, statt Versammlungen zu multiplizieren. Es wäre falsch
zu behaupten, Gott würde niemals jemand führen, eine sehr große Gemeinde zu
bauen. In jeder Stadt wird der Leib Christi jedoch viel schneller durch die
Multiplikation von Gemeinden wachsen als durch den Versuch, einige Superkirchen
zu bauen. Wir danken Gott für die Superkirchen. Wir beten für sie und wir
segnen sie. Es gibt kein Wir und Sie. Es ist ein Wir! Der ganze Leib Christi
gehört uns allen und wir gehören einander. Es gibt nicht die Methode,
das Reich Gottes zu erweitern – es gibt viele Wege, und es liegt in unserer
Verantwortung, zu wissen, welche Methode wir von Gott dazu benutzen sollen.
Ausbilder/Lehrer haben schon lange
erkannt, dass die beste Ausbildungsmethode noch immer die der Lehre ist. Eine
solche persönliche und praktische Ausbildung erhielten vor 200 Jahren Schmiede,
Klempner oder Rechtsanwälte. Sie lernten durch Beobachten und Tun und waren
einem Meister des Gewerbes gegenüber verantwortlich. Das war auch die Methode
Jesu. Seine Jünger lernten durch Beobachten, Zuhören und Tun, während sie mit
dem Lehrmeister zusammenlebten. Durch Hauskirchen können wir Pastoren schulen,
tatsächlich pastorale Arbeit zu tun, während sie von einem erfahreneren Pastor
betreut werden. Sie wachsen dann zusammen mit der Kirche unter ihrer Leitung.
Einige werden für mehr als eine Hauskirche zuständig sein, da sich nicht alle
am Sonntagmorgen treffen.
In einer kleinen Hauskirche werden die
sehr Schüchternen viel eher ihre Identität im Leib Christi finden. In unserer
Hauskirche essen wir normalerweise sonntags gemeinsam zu Mittag. Jede Familie
bringt dazu entweder eine fertige Speise oder einen Teil der Mahlzeit mit. In
solchen häuslichen Situationen werden Beziehungen viel leichter geknüpft.
Eine Hauskirche kann fast ihre
gesamten Finanzen in die Mission oder in Barmherzigkeitsdienste investieren.
Einige unserer Hauskirchen geben über neunzig Prozent ihrer Geldsammlungen an
lokale Sozialdienste und Auslandsmissionen. Es mag zwar auch in Hauskirchen
einige kleine Ausgaben geben, da die Treffen jedoch in Häusern stattfinden,
werden alle Ausgaben für Gebäude vermieden.
Treffen können sowohl sonntags als
auch an anderen Tagen bzw. Abenden abgehalten werden. Nirgendwo im Neuen
Testament steht, der Sonntag sei die Zeit für die Kirche. Tatsache ist, dass es
in der Apostelgeschichte die Regel war, sich täglich zu treffen. Der erste Tag
der Woche wird überhaupt nur selten erwähnt, und nirgends wird betont, dass er
ein speziell für den Gottesdienst reservierter Tag war. Der Apostel Paulus riet
in Galater 4,10-11 von der Mentalität eines speziellen Tages ab:
Ihr beobachtet Tage und Monate und
bestimmte Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich
an euch gearbeitet habe.
Viele dieser
Hauskirchen werden von Pastoren geleitet werden, die normale
Vollzeit-Tätigkeiten ausüben. Diejenigen, die sich in Vollzeit in die Arbeit
investieren, sollten mit einem angemessenen Einkommen belohnt werden, aber auch
jene Pastoren, die in Teilzeit dienen, sollten in ähnlicher Weise belohnt
werden, damit sie ihre Ausgaben begleichen können und „zum Werk des Dienstes
ermutigt werden“. Der Arbeiter ist seines Lohnes wert, ob Teilzeit oder
Vollzeit. Männer (und Frauen) sollten nicht warten, bis sie von einer
Vollzeit-Tätigkeit befreit werden können, bevor sie als Pastoren beginnen. Der
Apostel Paulus arbeitete oft mit seinen eigenen Händen – nicht nur für seine
eigenen Bedürfnisse, sondern auch für die, die mit ihm reisten.
Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen
und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch in allem
gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen und an die Worte des
Herrn Jesus denken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen
(Apostelgeschichte 20,34-35).
Einige Gemeinden werden so groß, dass
sie größere Gebäude bauen, größere Räume mieten oder zwei Gottesdienste
abhalten müssen. Wir nennen das ein „erfreuliches Problem“, für das es auch
eine „erfreuliche Lösung“ gibt: Beginnen Sie, Pastoren zu schulen, indem Sie
ihnen ein Gebiet der Stadt zuweisen und zwei oder drei Familien aussenden, um
in diesem Teil der Stadt eine Hauskirche zu beginnen. Ein „Baby“ zu haben, ist
die lebenspendendste Sache, die eine Kirche tun kann. Kirchen sterben durch
eine besitzergreifende Haltung in der Leitung. Gott wird solche Menschen
segnen, die ständig alles verschenken, was er ihnen gibt. Jesus sagte: Gib,
und es wird dir gegeben werden. Eine gebende Kirche ist eine wachsende
Kirche.
Michael Green hielt 1974 auf dem
Internationalen Kongress für Weltevangelisation in Lausanne eine Rede über „Die
Urgemeinde und ihre Methoden und Strategien“. Er sagte:
Für die Urgemeinde waren Räumlichkeiten
unwichtig. In der Zeit ihres bedeutendsten Wachstums standen keine Gebäude zur
Verfügung. Heute sind sie für viele Christen von außerordentlicher Bedeutung.
Die Instandhaltung der Kirchen verschlingt sowohl Geld als auch Interesse der
Mitglieder, stürzt sie häufig in Schulden und isoliert sie von denen, die nicht
zur Kirche gehen. Sogar die Bedeutung des Wortes „Kirche“ hat sich geändert. Es
bezieht sich nicht mehr auf die Gemeinschaft der Gläubigen wie zur Zeit des
Neuen Testaments, sondern lediglich auf ein Gebäude.
Die am schnellsten wachsenden
Bewegungen der Geschichte waren immer diejenigen, die nicht durch schwerfällige
organisatorische Strukturen gehemmt wurden, sondern sich beharrlich auf das
Wesentliche konzentrierten.