[GloryWorld-Medien Startseite]
Robert
Fitts
Die
Kirche im Haus
Eine Rückkehr zur Einfachheit
Im Sommer 1969 begann ich,
Gott darum zu bitten, er möge mir in jedem Land der Welt Jünger schenken.
Damals gab es insgesamt etwa 220 Länder. Vier Jahre zuvor hatte mir Gott aufs
Herz gelegt, für jedes Land namentlich zu beten, und mir dazu die Verheißung
aus Psalm 2,8 gegeben: Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum
Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde. Seit dieser Zeit hatte
ich Freude daran, zu beten und zu glauben, dass der Herr mir in jedem Land
Türen öffnen würde, um für ihn zu wirken.
Damals verfolgte ich die Strategie,
Jünger dadurch zu multiplizieren, dass ich mich auf eine Person konzentrierte
und diese dann lehrte, dasselbe zu tun. Auf diese Weise, dachte ich, würden wir
im Lauf der Zeit durch den Prozess der Multiplikation sowie durch Gebet, Glaube
und Geduld in jedem Land Jünger sehen. Mit dieser Vorstellung im Kopf begann
ich, noch leidenschaftlicher zu beten. Während ich betete und mich mit der Zeit
auf diese Vision zu bewegte, zeigte mir der Herr, dass die Multiplikation
(Vermehrung) von Jüngern am ehesten durch die Multiplikation von Gemeinden –
kleinen Gruppen von Jüngern – geschehen kann.
Ich bin ernsthaft davon
überzeugt, dass der Herr als Antwort auf dieses Gebet mein Leben und meine
Umstände veränderte und mich durch eine sehr lange und schwierige Phase der
Vorbereitung führte. Jahre gingen ins Land, und ich war versucht, die Vision
als einen verrückten Traum voll persönlichem Ehrgeiz, der überhaupt nicht vom
Herrn gekommen war, beiseite zu legen. Aber irgendwie konnte ich ihn in mir
dann doch nicht sterben lassen.
An einem ruhigen Nachmittag
im Herbst 1990 war ich in der Stadt Riverside in
Kalifornien in meinem Schlafzimmer auf den Knien. Während dieser Gebetszeit las
ich in der Zeitschrift Mission Frontiers, die von dem durch Dr. Ralf
Winter gegründeten amerikanischen Zentrum für Weltmission herausgegeben wird.
In dem Artikel, den ich las, ging es um eine mächtige Bewegung Gottes in China.
Immer wieder stieß ich auf den Ausdruck „Hauskirchenbewegung“. Plötzlich gab es
eine Art Offenbarungsblitz in meinem Geist. Ich konnte es beinahe körperlich
spüren. „Hauskirchen!“ Ich schrie das zwar nicht, aber mein Geist in mir tat
es. „Ja! Das ist es! Ich kann Hauskirchen gründen! Preist den Herrn! Ich weiß,
dass ich Kirchen in Häusern beginnen kann!“ Meine Begeisterung kannte keine
Grenzen.
Geistlich gesehen war ich
durch eine lange, trockene Wüste gegangen. Ich hatte alles niedergelegt. Mein
Dienst, mein Haus, mein Flugzeug und meine Gesundheit waren mir genommen worden
– selbst die Hoffnung in mir war am Sterben. Ich hatte den Eindruck, ich hätte
über die Jahre irgendwie nicht richtig auf den Herrn reagiert und würde die
Vision von Jüngern in allen Nationen niemals erfüllt sehen. Als ich dann aber –
durch die Geschehnisse in China – diese kleine, einfache Idee der Hauskirchen
kennen lernte, war dies wie eine Art Wiedergeburt meiner Vision.
Ich stand von meinen Knien
auf und begann zu gehen und zu denken, zu beten und zu planen. „Jetzt weiß ich,
dass ich Kirchen gründen kann – viele Kirchen!“ Meinem Geist wuchsen Flügel.
Mein Glaube war wiederhergestellt. Mehr als 20 Jahre lang hatte ich Erfahrungen
mit Hauskreisen gesammelt. Fünf Jahre davon hatte ich mitgeholfen, Hunderte von
Hauskreisen für die Evangelisation von Kindern zu gründen. Vier Jahre war ich
selbst Pastor einer Hauskirche gewesen und kannte aus eigener Erfahrung ihre
vielen Vorteile.
Schon lange war mir bewusst
gewesen, dass das schnellste Wachstum der Kirche in den ersten beiden
Jahrhunderten des Christentums stattgefunden hatte. Nun las ich über das phänomenale
Wachstum, das – durch eine Hauskirchenbewegung – in China stattfand. Als diese
beiden Gedanken in mir aufeinander prallten, kam es sozusagen zur Explosion.
Ich konnte mich der offensichtlichen Schlussfolgerung nicht entziehen: Sowohl
früher als auch in heutiger Zeit war das dramatischste Kirchenwachstum der
Geschichte dort zu finden, wo es keine Kirchengebäude gab.
Nicht lange danach
untersuchte ich das Neue Testament auf das Thema Die Kirche im Haus und schrieb dazu ein achtseitiges Papier mit dem
Titel „Was spricht für Hauskirchen?“. Diese Schrift verteilte ich und stieß
damit auf Interesse. Mancherorts gab es sogar ein riesengroßes Interesse. Kurz
nachdem ich das Papier geschrieben hatte, ging ich nach Mexiko, und es wurde
ins Spanische übersetzt.
Mit der Zeit gab mir der
Herr dann ein tieferes Verständnis über Die
Kirche, die sich im Haus trifft im Neuen Testament und in der
Kirchengeschichte. Da ich auch immer mehr Kontakt zu anderen bekam, die die
Vision einer einfachen Kirche empfangen hatten, begann ich mehr zu diesem Thema
zu schreiben. Ich fügte es diesem achtseitigen Papier hinzu und nannte es
„Flächendeckendes Gemeindegründen“. Es fiel verschiedenen Verantwortlichen der
Kirche in die Hand, und innerhalb von vier Jahren wurde es in etwa 40 Länder
versandt. Mit der Zeit erhielt ich Briefe von kirchlichen Leitern aus vielen
Ländern, die mich um mehr Informationen zu der Kirche, die sich im Haus trifft baten. Diese nun vorliegende
Schrift ist ein Versuch, das weiterzugeben, was uns der Herr die letzten zehn
Jahre darüber lehrte, wie man zur einfachen Kirche zurückkehren kann.