Hauskirchen-Netzwerke – eine Welle der Zukunft
von Larry
Kreider
Wieder
einmal ist es soweit: In ganz Nordamerika und anderen westlichen Ländern ist eine
neue Form von Gemeinde am Entstehen. Sowohl in Großstädten als auch in
ländlichen Gegenden kommt eine einzigartige Form von Kirche zum Vorschein – wie
die frischen Triebe der neuen Feldfrüchte, die jedes Frühjahr aus dem Boden sprießen.
Auf der
Suche nach Gemeinschaft und Beziehungen eignen Menschen die Werte des Reiches
Gottes an, indem sie praktische Erfahrungen aus erster Hand sammeln. Sie
treffen sich in kleinen Gruppen in Häusern, Büros, Vorstandszimmern oder
Restaurants. Kirche wird zu einem Lebensstil, bei dem Jüngerschaft und Wachstum
natürlich geschehen: Jeder entwickelt seine Gaben und lernt, indem er sie unter
der Obhut geistlicher Väter und Mütter praktiziert. Diese noch junge
Basis-Bewegung pflege ich Hauskirchen-Netzwerke zu nennen.
Ich
glaube, dass diese neuen Hauskirchen-Netzwerke
innerhalb der nächsten Jahre ganz Nordamerika genauso übersäen werden, wie sie
es schon in anderen Ländern der Erde tun. Ob in China, Zentralasien, Lateinamerika,
Indien oder Kambodscha – überall dort gab es ein enormes Wachstum durch Hauskirchen,
die jedem Teilnehmer helfen, als Jünger zu wachsen, und ihn in die Lage
versetzen, „Kirche zu sein“.
Man nennt
sie Hauskirchen, da jede von ihnen
wie eine kleine Kirche funktioniert. Sie sind Netzwerke, weil sie zusammenarbeiten, um Rechenschaft und
Ermutigung zu fördern. Obwohl der Begriff Hauskirchen-Netzwerke,
manchmal auch Mikrokirchen-Netzwerke
genannt, sich wie ein modernes Konzept anhört, ist es in Wirklichkeit nicht so.
Hauskirchen sind so alt wie die Apostelgeschichte.
Die neutestamentliche
Kirche wurde als das Volk Gottes definiert. Die Gläubigen gingen nicht zur Kirche oder traten der Kirche bei; sie waren die
Kirche. Alle Mitglieder wirkten als Priester, da jeder einen geistlichen Dienst
ausübte. Jede Person erhielt eine praktische Ausbildung und lernte, wie man Menschen
zu Jüngern macht. Diese Nachfolger Christi praktizierten ihren Glauben in
geistlichen Familien, trafen sich in Häusern oder Wohnungen und veränderten
ihre Welt radikal. Sie nahmen zahlenmäßig zu, indem sie dem Wort Gottes gehorchten
und ihre Mittel und geistlichen Gaben miteinander teilten. Sie vermehrten sich
in immer mehr Gruppen von Gläubigen, die sich in Häusern trafen, die alle zusammenarbeiteten.
Das waren die ursprünglichen Hauskirchen-Netzwerke!
Vor
kurzem entstanden in ganz Nordamerika neue Hauskirchen-Netzwerke – von
Denver/Colorado bis Austin/Texas, von Richmond/Virginia
bis Indianapolis/Indiana, von Toronto/Ontario bis Edmonton/Alberta
und in Dutzenden von anderen Orten dazwischen. Hauskirchen-Netzwerke sind derzeit
überall am Entstehen und es werden immer mehr! In Neuseeland vernetzen sich
Hauskirchen-Netzwerke schon über das ganze Land hinweg.
Der ständige Bedarf für neuen
Weinschläuche
Obwohl es
schon Abertausende von gesunden, lebendigen Kirchen/Gemeinden in ganz
Nordamerika und der Welt gibt, werden ständig neuen Weinschläuche benötigt, um
diejenigen Gläubigen aufzunehmen, die nicht in die gegenwärtigen kirchlichen
Strukturen passen. Hauskirchen-Netzwerke, so glauben viele, werden helfen, die
Einfachheit der neutestamentlichen Gemeinde in der gegenwärtigen Kirche
wiederherzustellen. Sie werden die Megagemeinden und kleineren Gemeinden/Gemeinschaften
in unseren Regionen nicht ersetzen, sondern werden parallel zu ihnen entstehen.
Fünfzehn Jahre
lang hatte ich das Vorrecht, als Hauptpastor einer Gemeinde zu dienen. In den
80er-Jahren wuchs unsere ländliche Gemeindeneugründung in Pennsylvania innerhalb
von zehn Jahren von 25 auf über 2000 Leute. Das war wirklich ein Wunder der
Gnade. Damals dachten wir, wir hätten eine radikale Sicht, wie man Gemeindearbeit
macht, weil wir Zellgruppen/Hauskreise als unsere Basisstruktur einbauten. Nach
etlichen Jahren wurde allerdings klar, dass es in unserer wachsenden Kirche
eine gewisse Unruhe gab.
Dies bemerkte
ich insbesondere bei einigen jungen Leuten. Sie sehnten sich nach einer neuen, zeitgemäßeren Art von Weinschlauch, wo man sich engagieren
konnte. Sie sagten in etwa dieselben Dinge, die wir zehn Jahr zuvor gesagt
hatten: „Wir suchen nach etwas Neuem. Wir brauchen etwas, das wirklich unsere
Bedürfnisse stillt.“ Unser damals zehn Jahre alter Weinschlauch hatte
angefangen zu altern – für viele der jüngeren Generation hatte er sein bestes
Alter bereits hinter sich.
Es
dauerte nicht lange, um daraus zu schließen, dass wir Wege finden mussten, neue
Gemeinden (neue Weinschläuche) zu gründen, und dass wir den Prozess beginnen mussten,
die Zügel der nächsten Generation in die Hand zu geben. Würden wir das nicht
tun, würden wir verlieren, was wir schon hatten. Wir fragten uns, wie wir die
Menschen in der Welt erreichen und eine große Ernte einholen konnten.
Wie Dr.
Peter Wagner so oft gesagt hat: „Der effektivste Weg zu evangelisieren, ist,
neue Gemeinden zu gründen.“
Gemeinden, die ein Netzwerk bilden
Die Hauskirchen
sind echte Kirchen/Gemeinden, nicht nur Bibelkreise oder Zellgruppen/Hauskreise.
Sie haben Älteste, sammeln Zehnte und Opfer ein und die Leiterschaft trägt vor
dem Herrn für die Seelen der Menschen in der Hauskirche Verantwortung (vgl.
Hebräer 13,17).
Meine
Frau LaVerne und ich gehören zu einer unglaublichen Hauskirche,
die sich jede Woche in einem Privathaus in Lancaster County in Pennsylvania trifft. Jede Woche haben wir eine
tolle Zeit, in der wir miteinander essen, miteinander beten, Menschen, die auf
dem Weg sind, Christen zu werden, miteinander erreichen und einander praktisch dienen.
Wir versuchen praktische Wege zu finden, wie wir anderen, eher traditionellen
Kirchen in unserem Umfeld dienen können. Beispielsweise gab es eine Gruppe von
Kirchen in unserer Gegend, die versuchten, genug Geld aufzubringen, um es einer
Gruppe von Missionaren und internationalen kirchlichen Leitern zu geben. Sie
waren jedoch nicht in der Lage, das benötigte Geld aufzubringen. Unsere Hauskirche
beschloss, ein paar tausend Dollar zu geben, um der Not zu begegnen, diesen
Missionaren und internationalen kirchlichen Leitern zu helfen.
Schließlich
haben wir ja keine Baukredite abzubezahlen, keinen Pastor, dem wir ein Gehalt
zahlen müssten, und wir müssen auch keine Stromrechnungen begleichen. Unsere
Leiter üben alle noch einen normalen Beruf aus, und wir treffen uns ja in einem
Privathaus. Der Kredit für dieses Haus wurde bereits abbezahlt! Gott hat die Hauskirche
finanziell gesegnet, so dass wir dem Leib Christi in unserer Region dienen
können.
Diese
neuen Hauskirchen erinnern mich an ein Einkaufszentrum. Viele der kleinen,
spezialisierten Läden in Einkaufszentren würden auf sich gestellt innerhalb
eines Jahres keine Geschäfte mehr machen, wären sie nicht mit den anderen Läden
in diesem Zentrum verbunden. Aber zusammen gedeihen sie gut. Wenn verschiedene Arten
von Hauskirchen es lernen, sich auf praktische Weise in ihrer Stadt miteinander
zu verbinden, werden sie vom Herrn sehr gesegnet werden. Diejenigen, die das
nicht tun, werden dahin tendieren, sich um sich selbst zu drehen,
stillzustehen, aufzuhören zu evangelisieren und dem Rest der Kirche kritisch gegenüber
zu stehen. Wir müssen die Braut unseres Herrn, die Gemeinde, lieben. Sie ist
weit davon entfernt, vollkommen zu sein, aber er liebt sie, und das müssen wir
auch tun.
Es gibt
zwei Dinge, die mir in Bezug auf die unter uns entstehenden Hauskirchenbewegungen
Sorge bereiten: Stolz und Verfolgung. Wenn sich jetzt überall in unserem Land Tausende
neuer Hauskirchen bilden, könnten diejenigen, die daran beteiligt sind, dazu
neigen, stolz zu werden und das Gefühl zu haben, sie würden die Speespitze des
Reiches Gottes bilden und diejenigen, die nicht in Hauskirchen sind, lägen daneben.
Davor müssen wir uns hüten. Stolz kommt immer vor dem Fall. Gott ist viel mehr
an unserer Herzenshaltung interessiert als an unserer Gemeindestruktur.
Zweitens verfolgte,
geschichtlich gesehen, fast jede ehemalige Bewegung Gottes die auf sie folgende
Bewegung Gottes. Ich hoffe, dass die Kirche von heute der Versuchung
widersteht, die nächste Generation zu kritisieren, wenn diese den neuen Wein
des Heiligen Geistes und die neuen Weinschläuche haben wollen, die sie als
notwendig erachten, um neutestamentliches Christsein
zu erleben.
Übersetzung:
© GloryWorld-Medien, www.gloryworld.de
mit freundlicher Genehmigung von „House to House Publications“,
www.H2HP.com
Original:
veröffentlich in „MorningStar Journal Vol. 16 No. 1“ sowie
„Kairos Magazine“, Jan. 2005;
online
unter: http://dcfi.org/Online_Articles_32.htm